Dein Platz am Meer

Ich lade Dich ein auf eine kleine Reise zum Meer.

Wenn Du magst, kannst Du Dir die Reise gerne als Audio anhören oder auch einfach hier als Text für Dich lesen.

 

 

Nach einer kurzen Hinführung wirst Du Dir Deinen Platz am Meer genau so gestalten können, wie Du ihn gerne gestalten möchtest. Vielleicht ist es ein Platz, wie Du ihn Dir schon immer erträumt hast, vielleicht ist es ein Platz, den Du auf einem Bild gesehen hast oder auch ein Platz, an den Du dich gerne erinnerst. Du kannst ihn Dir frei gestalten und aussuchen, denn es ist Dein Platz.

Die Meeresreise ist in Anlehnung an den sicheren Ort von Prof. Luise Reddemann geschrieben und aus der Ich-Perspektive, damit Du Dich besser hineinversetzen kannst.

Mach es Dir nun für Deine Reise zum Meer gemütlich und setze oder lege Dich entspannt hin.
Strecke Dich vielleicht noch einmal, schließe die Augen und atme dreimal tief ein und tief aus.

 

Ich atme tief ein und spüre, wie die Luft mit dem Salz des Meeres erfüllt ist.

Vom Asphalt der Straße gehe ich auf den Holzsteg und laufe den Dünen entgegen. Noch ist das einzige Blau in meinem Blickfeld der Himmel, eingerahmt von weißen Dünen, grünen Gräsern und Bäumen. Bald sehe ich das Meer. Meine Schritte werden etwas schneller, größer, die Vorfreude steigt. Ich spüre, wie sich schon jetzt etwas in mir weitet.

Und da ist es. Das Meer. Fließt und rauscht vor sich hin, bewegt sich und liegt gleichzeitig so ruhig da, wie ein großes blaues Tuch.

Ich gehe vom Steg hinunter in den Sand und grabe meine Füße einmal in den Sand ein. Spüre, wie er sich formen läßt, oben wärmer, unten kühler ist. Ich lasse das Gefühl des Sands unter meinen Füßen einen Moment wirken, richte mich auf und ziehe meine Schultern nach hinten. Ich atme tief ein. Dankbar. Ich bin da. Hier am Meer. Jetzt. Erleichterung breitet sich in mir aus.  

Um einen Ort zum Sitzen zu finden, laufe ich weiter und suche mir einen Platz aus, an dem ich das Meer sehen kann und mich gleichzeitig geschützt fühle.

Nachdem ich eine Weile am Strand entlang gegangen bin, sehe ich diesen Ort und laufe darauf zu. 

Die kleine Decke, die ich mitgebracht habe, breite ich nun auf dem Boden aus und lasse mich nieder. Ich überlege kurz, ob ich mich hinsetzen oder hinlegen möchte und finde dann in eine für mich angenehme Lage.    

Meinen Platz gestalte ich mir so, wie ich ihn haben möchte. Denn es ist mein Platz am Meer.

Was sehe ich um mich herum? Liegen die Dünen hinter mir und das Meer vor mir oder sitze ich seitlich und blicke der Küstenlinie entgegen? Bin ich von Dünen umgeben oder gibt es auch Felsen, hohe oder niedrige? Sehe ich eine Stadt in der Ferne oder bin ich gänzlich von Natur umgeben?

Ziehen Schiffe am Horizont vorbei? Gibt es Kinder, die im Sand spielen, spazieren Menschen am Wasser entlang oder sieht man Füße hinter aufgespannten Sonnenschirmen?

Oder ist es ein Strand, den ich ganz für mich entdeckt habe und wo ich einfach mal in Ruhe ganz für mich sein kann? Ich gestalte mir meinen Platz so, wie er sich für mich gut anfühlt. Ich kann es mir aussuchen, denn es ist mein Platz.

Nun, da ich meinen Platz gefunden und gestaltet habe, so, wie ich mich sicher und wohl fühle, spüre ich in die Temperatur hinein. Ist es warm hier, vielleicht sogar heiß oder möchte ich es etwas kühler und erfrischender. Habe ich mir einen wohltuenden Schattenplatz ausgesucht oder spüre ich die Sonne auf der Haut und in meinem Gesicht? Wärmt sie mich wie eine liebevolle Umarmung oder strahlt sie einfach und taucht alles in ein warmes Licht? Spüre ich eine frische Brise Wind, die meine Haut angenehm kühlt und vielleicht auch die Haare sanft ins Gesicht weht oder ist es windstill und ruhig? Möchte ich die Sonne auf der Haut spüren oder trage ich lieber einen warmen Pulli und schützenden Schal um mich? Ich kann es mir aussuchen, denn es ist mein Platz. Mein Platz am Meer.

Welche Farben hat das Licht? Ist es ein helles Gelb und ein leichtes Blau im Himmel? Oder eine Mischung aus warmem Orange, Rot und sanftem Rosa? Geht die Sonne gerade unter oder auf? Oder steht sie hoch am Himmel? Ich kann es mir aussuchen, denn es ist mein Platz am Meer.

Was höre ich? Höre ich das Meer rauschen, sanft oder stark? Zwitschern Vögel? Gibt es andere Menschen, die ich spielen, lachen, reden höre oder sind es einfach ich und das Meer?

Wenn ich möchte, sind weitere Lebewesen an diesem Ort. Vielleicht fliegt eine Möwe vorbei. Und wenn dies ein Ort ist, ganz für mich, schenke ich mir den Raum, diesen Ort ganz für mich zu haben. Denn es ist mein Platz am Meer.

Nun sitze oder liege ich da, an meinem Platz am Meer. Kann Durchatmen. Aufatmen. Ankommen. Sein. Einfach sein.

Was empfinde ich gerade? Bin ich einfach hier am Meer und genieße den Moment? Freue ich mich mit einer tiefen Dankbarkeit über das Meeresrauschen in den Ohren und den Salzgeruch in der Nase? Löst sich vielleicht etwas in mir? Möchte ich etwas loslassen? Was möchte ich in die Wellen geben? Was möchte ich aufnehmen? Was kann ich einfach mal sein lassen? Mit jedem Einatmen nehme ich neue Energie in mich auf und mit jedem Ausatmen lasse ich los, was ich gerade loslassen möchte. Ein und aus. Ein und aus. Ich bin am Meer. Wie schön.

Ich nehme alles noch einen Moment in mich auf.

Atme noch einmal tief ein und tief aus. Und schenke mir ein inneres Lächeln. Bin dankbar, hier zu sein. An meinem Platz am Meer.

Wie geht es mir jetzt? Fühle ich mich gestärkt. Fühle ich mich vielleicht auch erleichtert. Fühle ich mich entspannt. Frei. Gelöst.

Ich habe neue Energie und Kraft gewonnen. Tief durchgeatmet.

Und so schaue ich mir alles noch einmal genau an, halte einen Moment inne und nehme das Gefühl dieses Ortes noch einmal bewusst in mich auf.

Ich weiß, dass ich immer an diesen Ort zurückkehren kann.*

Und dann richte ich mich langsam auf, packe meine Decke ein und verabschiede mich zufrieden und auf meine Weise von meinem Platz am Meer.

 

Und dann kehre ich langsam wieder in diesen Raum zurück, ganz langsam und in meinem Tempo. Bewege meine Finger und Zehen. Strecke mich, wenn ich möchte. Und öffne langsam wieder die Augen.

 

Schön, dass Du Dich auf die Reise zum Meer begeben hast.
Ich hoffe, die Reise zu Deinem Platz am Meer hat Dir gutgetan. Du kannst dich immer wieder an diesen Ort versetzen oder auch einen neuen Platz am Meer finden, je nachdem wohin es Dich zieht.

 

Leandra Sinn

*“Der sichere Ort“ von Prof. Luise Reddemann (Reddemann, L. (2005). Imagination als heilsame Kraft.)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.